5.3 Pingos und Vegetation

Vegetationsbedeckung auf Pingo-Hügeln könnte ein Mechanismus zum Schutz der Pingos vor Winderosionen sein. Fast alle Pingos in der Kanadischen Arktis sind mit Tundren-Vegetation bedeckt. Diese schützt sie vor Erosionen, vor allem, wenn starke (katabatische) Winde aus einer vorherrschenden Windrichtung wehen. Im Mackenzie-Delta, Kanada, weist in den letzten 100 Jahren nur ein bekannter Pingo Spuren von Winderosion auf (beim Vergleich von historischen Fotos von 1910 mit  2011, Pers. Comm. Chris Burn).
Allerdings bedeckt in der hohen Arktis keine Vegetation die Pingos, wodurch sie dort eher den starken Winden und damit der Winderosionen ausgesetzt sind. Die Vegetationsbedeckung kann Einfluss auf die Abtragungsgeschwindigkeit haben, wenn der zerfallende Pingo für das weitere Zusammenbrechen Sonnenstrahlen benötigt. Viele Pingos bauen sich in unterschiedlichen Stadien ab. Wenn der obere Teil abbaut, lagert sich das Deckschichtsediment wieder an und kann den Pingo somit für viele Jahrzehnte stabil halten, solange die Eislinse unterhalb der sommerlichen Auftau-Schicht bleibt.  Abbildung 5.4  zeigt einen Pingo, der sich in einem stabilen Abbaustadium befindet. Auch wenn der Pingo begonnen hat zu zerfallen, bleibt die interne Eislinse stabil und müsste viele Jahrzehnte stabil bleiben, solange keine externen Veränderungen auftreten.


Abbildung 5.4: Ein teilweise eingestürzter, aber mittlerweile stabiler Pingo in Mackenzie Delta,

Kanada (Mackay & Burn, 2011).


In den Niederlanden waren vermutlich sogenannte  katabatische (trockene und kalte) Winde von den Gletschern her während der letzten Eiszeit gegeben (Hubberten et al, 2004). Tundren-Vegetation war ebenso vorhanden (Hoek, 2004) und müsste die Pingo-Hügel bedeckt haben. In der Timmelteich-Mulde (Kap. 4.5.1) wurden Polarweide- Blätter (Salix polaris) in dem Übergang zwischen dem Substrat und der ersten Füllung der Pingo-Mulde gefunden. Dies könnte ein Hinweis für eine Vegetationsbedeckung auf dem aktiven Pingo sein. Da die Polarweide eine Art ist, die trockenes und kaltes Klima bevorzugt, ist es nicht wahrscheinlich, dass sie in einer Pingo-Mulde wuchs, sondern auf solch einem teilweise zusammengebrochenen Pingo. Vergleichbar damit wurden ebenso anderenorts Pflanzenreste der Zwergbirk (Betula nana) im tiefsten Teil einer mutmaßlichen Pingo-Mulde in den Niederlanden gefunden (pers. comm. Wim Hoek).

 

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